Martin Amerbauer  

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Laudatio von Frau Mag. Renate Oberbeck anläßlich der Ausstellungseröffnung „Paare. Skulpturen“ an der Universitätsbibliothek Salzburg am 16. Oktober 2013

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Gäste des Künstlers, lieber Martin. Ich freue mich aus mehreren Gründen besonders, Ihnen heute Martin Amerbauer mit seiner Ausstellung „Paare“ vorstellen zu dürfen. Besonders deshalb, weil er zu jenen Künstlern gehört, die sich der Bildhauerei verschrieben haben und damit einen Teil der bildenden Kunst erobert hat, der mit seiner haptisch erfahrbaren Dreidimensionalität in direkten Dialog mit dem Raum tritt. Besonders auch deshalb, weil er ein sogenannter Spätberufener ist, der sich erst nach seinem Studium der Mathematik und Philosophie ab 2000 mit Asiatischer, Afrikanischer und Europäischer Kunst und Kultur auseinander setzte und in diesem Kontext begann, selbst künstlerisch aktiv zu werden. Und besonders auch, da er, wie ich, ein gebürtiger Oberösterreicher ist, was aber in Salzburg ja schon wieder ganz gewöhnlich ist.

 

Die Ausstellung findet an einem für ihn mehr als vertrauten Ort statt, ist die Salzburger Universitätsbibliothek doch gleichzeitig seit 1993 seine Arbeitsstätte als Bibliothekar. Und da die Bibliothek selbstverständlich ein Ort der Begegnungen ist, passt das Thema „Paare“ hervorragend in diese Räumlichkeiten. Auch bei Paaren kommt es zur Begegnung und im idealen Fall zum gemeinsamen Miteinander, wobei der Begriff Paare bei der Gruppe Achilleus, Patroklos und Briseis eigentlich zu eng gefasst ist und uns hier ein Trio entgegentritt.

 

Das bevorzugte Material, mit dem er die auf den ersten Blick stark abstrahierten Exponate in einer äußerst klaren, auf das Wesentliche konzentrierten Formensprache umsetzt, die ihrem Charakter nach einerseits der Mathematik verwandt ist, andererseits auch der inneren Konzentration der von Ihm bis 2002 ausgeübten Kampfkunst Aikido, ist der Serpentin, den er bereits in seiner ersten künstlerischen Ausbildungsphase in Kursen der Galerie Matombo in Salzburg für sich entdeckte. Dort lernte er, angeregt durch Künstler wie Tapfuma Gutsa (*1956 in Harare), Tendai Rukodzi (*1973 in Harare), Faktor Ziira (*1954 in Guruve - 2008) und Washington Msonza (*1966 in Makumbe), alles (Stein)-Bildhauer aus Zimbabwe, dem vorerst unscheinbaren Rohling während intensiver Arbeitsprozesse vom ersten Behauen über nachhaltiges Schleifen bis zum finalen Wachsen und Polieren ausdrucksvolle Figuren und wesenhafte Objekte zu entlocken. Doch wenn auch der Serpentin in seiner farblichen Vielfalt als Werkstoff an erster Stelle steht, präsentiert er in dieser Ausstellung ebenso souverän seinen Umgang mit Marmor, Alabaster und Holz, während er uns seine Arbeiten in Metall diesmal schuldig bleibt.

 

Dass Martin Amerbauer während seiner Arbeit nur ganz selten auf einfache Skizzen zurückgreift und nicht, wie die meisten Bildhauer über ein umfangreiches zeichnerisches Œuvre neben dem skulpturalen verfügt, ist eine weitere Besonderheit, die eine intensive gedankliche Beschäftigung voraussetzt, um diese dann gezielt manuell umsetzen zu können. Auf diese Weise vermitteln die Exponate, denen stets zumindest eine Restgegenständlichkeit innewohnt, nicht nur ein formal durchdachtes und höchst ästhetisches Äußeres, sondern auch einen inneren Ausdruck, der die Empfindungen des Künstlers einfängt und an den Betrachter weitergibt.

 

Neben dem schon erwähnten, sehr früh erwachten Interesses Amerbauers an der außereuropäischen Kultur, bei der ihn bereits lange vor seinem aktiven Einstieg in die Kunst besonders die asiatische Kultur gefesselt hatte, gefolgt von der während des Studiums entdeckten interkulturellen Philosophie und der afrikanischen Kunst seit 2002, wird seine Auseinandersetzung mit der europäischen Kunstgeschichte nicht nur bei Achilleus, Patroklos und Briseis augenfällig. Die antiken Figuren präsentiert Amerbauer als Torsi - einem bewusst eingesetzten Stilmittel seit Rodin, gleichzeitig aber auch als Referenz an die geläufige Überlieferung antiker Statuen - die die kampferprobten Körper Achills und Patroklos‘ in beneidenswerter Durchtrainiertheit mit angespannter Muskulatur vor Augen führen. Der in der Werbung so oft und gerne bemühte Begriff, „Waschbrettbauch“, erreicht hier seine Perfektion. Gleichzeitig wird aber auch Homers Illias wachgerufen, in der die bis in den Tod bestehende Freundschaft der beiden Männer, die sich den Trojanern mutig entgegen stellten, sinnfällig wird. Ist der Leib des Patroklos, der sich aus der Formensprache des Athleten und des Wasserfalls entwickelte, noch sehr stark in sich gesammelt und in der Vertikalen wie ein Schild betont, lässt die Biegsamkeit des Achilleus die Scheidung von Stand- und Spielbein erahnen. Zu diesen beiden fügt sich der Torso der Briseis, der die Formensprache der beiden Helden mit weicheren Konturen weiterentwickelt und in seiner Biegsamkeit auch den Gedanken an eine frische Brise im Wind aufkeimen lässt. Die Schönheit dieses Körpers wird damit zum Symbol für die Liebe zwischen Achill und Briseis und dem Zorn des Achill, durch ihren Raub.

 

Dass Amerbauers europäischer Kunst- und Kulturbezug sich jedoch keinesfalls nur auf die Antike reduzieren lässt, beweist nicht nur sein Œuvre im Allgemeinen, sondern auch seine Hommagen an namhafte Künstler der Moderne, wie jene an Constantin Brancusi, Eduardo Chillida und Richard Serra.

 

Weniger historisch aufgeladen sind die helle und die dunkle Liegende. Dafür ist es hier der Kontrast des hellen und dunklen Steines, der die sinnlichen Körperformen unterschiedlich wahrnehmen lässt. Sind es die Lichtreflexe, die die Brüste und Schenkel der „Dunklen Liegenden“ modellieren, gewinnen die schmiegsamen Körperrundungen der „Hellen Liegenden“ durch die Schatten an Kontur.

 

Das Paar Erinnerung I und II gemahnt in seiner Segmentierung an Körper, die auf dem hüftbetonten Unterleib den Oberkörper und den Kopf in mehr oder weniger starken Winkeln aufbauen und damit eine innere Spannung und Dynamik erzeugen. Parallel dazu treten Erinnerungen an archaische Gottheiten, an Totems oder die Moais der Osterinseln hinzu, so dass auch hier der Titel mehrere Sinnebenen umfasst.

 

Die Alabasterskulpturen „Stolz“ und „Anmut“ sind ebenfalls eher Visionen innerer Befindlichkeiten, denn purer Äußerlichkeit. Trotz des transparent wirkenden Materials verdeutlichen beide Torsi das Wesen der weiblichen Körper. Während der Stolz die Körperachse in einer Vertikalen hochführt, deren Strenge durch die weit ausladenden, asymmetrischen Hüften und Brüste konterkariert wird, biegt sich die „Anmut“ in geschmeidiger S-Kurve in eine zum Niedersinken bereite Schräglage.

 

Ähnlich behutsam hat sich Martin Amerbauer an die Verkörperung der Sehnsucht und des Vermissens gemacht. Sind es erneut weibliche Hüften und Brüste, die vorwiegend die Sehnsucht männlicher Betrachte wecken mögen. so ist die in den Stein gebohrte Öffnung Anlass, über etwas Fehlendes nachzudenken, das man vermisst. In der unterhalb eingeschriebenen erhabenen ovalen Form vermeint man ein Gesicht zu erkennen oder vielleicht einen Embryo im Mutterleib. Amerbauer lässt hier, wie auch in seinen anderen Arbeiten immer genug Freiheit, eigene Phantasien zu entwickeln, Assoziationen zu finden und so den künstlerischen Schaffensprozess weiterzuführen.

 

Abschließend möchte ich noch die Arbeiten aus Holz, die beiden Püppis ansprechen. Aus Fundholz, aus einfachen Astgabeln, entwickelt Amerbauer mädchenhafte Torsi, selbstbewusst in ihrer Haltung, weit ausschreitend, dynamisch, einmal sogar mit Köpfchen. Durch die dunkle Lackierung wirken sie beinahe wie Bronzeskulpturen, die erst bei eingehender Betrachtung etwas von der Maserung des Holzes offenbaren. Weniger als Spielzeug, wie es der Titel evoziert, sondern als kleine Schutzgöttinnen junger Mädchen, die vor den sexuellen Gefahren warnen wollen, die auf sie lauern, wirken diese Püppis auf mich.

 

Ob sie, verehrtes Publikum, sich meinen Betrachtungen anschließen wollen, oder ganz andere Eindrücke gewinnen, diese Erkenntnis soll Ihnen nun die direkte Begegnung mit den Exponaten und das Gespräch mit dem Künstler ermöglichen. Dass sich die Skulpturen sowohl auf Grund ihrer Größe als auch ihrer enormen Prägnanz ideal in fast jede Umgebung fügen und dort ihre spezifischen Charakteristika entfalten, ist jedenfalls ein Glücksfall für jeden Sammler.

 

Und nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen beim Rundgang durch die Ausstellung!!